Brauchtum

Das Brötliexamen

Dieser Brauch beruht auf einer Begebenheit aus dem 14. Jahrhundert, als die Bewohner des Eigenamtes ihren „Zehnten“ noch nach Königsfelden ablieferten:

Da die Leute damals sehr arm waren, erbarmte sich Königin Agnes ihrer und verteilte jedes Jahr einmal Brot im Eigenamt. Königin Agnes war die Witwe des im Jahre 1308 ermordeten Königs Albrecht.


Brötliexamen 1946   


Für das Brötliexamen, das ursprünglich an Mariä Verkündigung (25. März) angesetzt war, besass die Verwaltung in Königsfelden einen gewaltigen Ofen und Getreide aller Art genug auf Lager. Dieses Fest der Eigenämtler wurde 1842 auf den Sonntag nach dem Osterfest, den Weissen Sonntag, festgelegt. Und seit einigen Jahren findet es jeweils am ersten Sonntag im Mai statt. Bis 1847 galt die Anordnung, die Examenbrötchen seien aus dem Kirchengut zu bezahlen. Heute begleichen die Gemeinde, jede nach Bedürfnis ihrer Schülerzahlen, die Rechnung.

Auch dem Brötliexamen drohten Gefahren. Von 1847 bis 1851 wurden keine Examenbrote ausgeteilt, da der Fruchtpreis zu hoch war. Durch Geldsammlungen von Haus zu Haus konnte dann dieser Brauch wieder eingeführt werden. Mit bekränzten Wagen und der Aufschrift: „Niemand soll uns das Alte wegnehmen!“ wurde dazu aufgemuntert.

Ein zweites Mal drohte diesem alten Brauch Gefahr durch Intrigen aus Scherz und Lupfig (!). Damals sollte das Examen beseitigt werden und dafür die Kinder mit einem Sommerausflug entschädigt werden. Heute hat sich dieser Brauch gefestigt. Von Abschaffen kann nicht die Rede sein - höchstens von zeitgemässen Anpassungen. Neue Zeiten bringen neue Gedanken und Modifikationen. Trotzdem ist man gewillt, diesen Brauch zu pflegen und damit fortbestehen zu lassen. Das Brötliexamen ist jedes Jahr ein besonderes Ereignis und wird, nebst den Kindern, auch von vielen Heimweh-Lupfigern sehr geschätzt. Es bietet immer wieder Gelegenheit, seinem Heimatdorf einen Besuch abzustatten.
 

Maitannli-Setzen

Ein weiterer Brauch ist das „Maitannli-Setzen“ am letzten Samstag im April auf die Hausdächer der heiratsfähigen Dorfschönen, doch nur der „Braven“. Nach dem Löschen der Strassenbeleuchtung um 24 Uhr beginnt die harte Arbeit der 16- bis 25jährigen „Maibuebe“ und dauert bis in den Morgen. Inbegriffen ist die von den Mädchen gespendete Stärkung. Zum nächtlichen Treiben gehört auch die „Dorf-Kosmetik“: Was im Dorf nicht niet- und nagelfest und gut versorgt an seinem Platz ist, wird entführt und auf dem Dorfplatz zur Schau gestellt. Einen dritten Akt dieser „Nachtübung“ zeigen die an Hauswände gehängten „Stichproben“ der Dichtkunst mit Themen aus der „Dorf-Jahreschronik“.


Maibuben 1947


Maibuben 1959 

 

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